Entgiften

Entgiften im Frühjahr

Auf die Frage nach den drei wichtigsten Therapieverfahren soll der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp einmal geantwortet haben: „Erstens Entgiftung, zweitens Entgiftung und drittens Entgiftung.

Die Ausleitung von Giftstoffen durch Heilkräuter blickt auf eine lange Tradition zurück. Schon in der Antike führte man Krankheiten auf die Schädigung des Körpers durch Gifte zurück. Paracelsus ging davon aus, dass es im Körper eine Kraft gibt, die alle Lebensprozesse steuert. Wird diese Kraft jetzt geschwächt, z.B. durch Gifte, können Krankheiten entstehen. Eine zweite Ursache für Krankheiten führte er auf eine nicht genügende Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Körper zurück. Die wichtigsten Ausscheidungsorgane des Körpers sind Leber, Galle, Nieren, Lunge, Schleimhäute und Haut. Über die Haut werden die Giftstoffe dann abtransportiert, wenn die Organe im Körper überlastet sind und die Ausscheidung nicht mehr schaffen.

Schlüsselblume

Auch Hildegard von Bingen hatte erkannt, dass v.a. Giftstoffe im Körper des Menschen Auslöser von Krankheiten sein können. Sie nannte diese Giftstoffe und Schlacken Schwarzgalle oder schädliche Schleime. Der erste Schritt zu einer wirksamen Entgiftung war für sie auf die Ernährung zu achten. Und auch heute ist es nicht anders. Die Lebensmittel, die wir essen, müssen im Magen-Darm-Trakt aufgespalten, verarbeitet und aufgenommen werden. Bei dieser Verstoffwechselung entstehen Abfallprodukte. So wie ein Feuer auch Asche und Rauch im Verbrennungsprozess bildet, so produziert unser Stoffwechsel natürliche Ausscheidungsprodukte.

Weitere Abfallprodukte sind Teile, die aus der Nahrung nicht richtig verdaut wurden und nun als unverstoffwechselte Schlackenstoffe den Organismus belasten. Diese Abfallprodukte müssen schnellstmöglich aus dem Körper ausgeschieden werden, damit sie sich nicht irgendwo ansammeln und ablagern oder die Ausscheidungsorgane verstopfen. Essen wir jetzt, nach Hildegard von Bingen, im „rechten Maße“, kann das gesunde Gleichgewicht zwischen Aufnahme und Abgabe aufrechterhalten werden. Übertreiben wir es durch ein Zuviel oder zu einseitiges Essen, können nicht mehr alle Giftstoffe ausgeschieden werden. Die Folge davon ist, dass der Körper die Gifte einlagert.

Neben den „natürlichen“ Giften belasten heute aber auch eine Vielzahl anderer Gifte wie chemische Zusätze in Nahrungsmitteln, Umweltgifte, Strahlen, Elektrosmog oder Abgase unseren Körper immer mehr. Diese sollten genauso ausgeschieden oder, wenn möglich, überhaupt vermieden werden.

Ist die Ausscheidung jetzt zu gering, kann es zu chronischen Erschöpfungszuständen, Depressionen, Appetitlosigkeit, sexuelle Unlust, Schlafstörungen, chronischen Hautausschlägen, Geschwüren, Allergien oder Ablagerungen kommen. Diese Erkrankungen sind im fortgeschrittenem Stadium nur schwer zu therapieren. Deshalb sollten Sie unbedingt frühzeitig vorbeugen, z.B. durch eine regelmäßige Entgiftungskur im Frühjahr und Herbst. Im Frühjahr werden vor allem junge Pflanzentriebe und Blätter von Birke, Brennnessel, Gundermann oder Löwenzahn verwendet, im Herbst dagegen eher Wurzeln wie Engelwurz, Enzian oder Wegwarte. Dabei sollten Sie beachten, dass Sie die Kuren immer bei abnehmendem Mond machen. Unterstützend helfen Ihnen Basenbäder, Basenpulver, Meersalzbäder, Massagen, Gemüsesuppen oder Gemüsesäfte sehr gut, die Übersäuerung wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Löwenzahn

Nun einige Pflanzen, die helfen, den Körper zu reinigen und ihn widerstandsfähiger zu machen. Ganz nebenbei sind sie wahre Jungbrunnen.

Löwenzahn: Der Löwenzahn gehört zu den ersten Pflanzen, die austreiben. Sein bitterer Geschmack deutet auf die reinigende Kraft in Blättern und Wurzeln hin. Die leuchtend gelben Blüten, die an die Sonne erinnern, wirken noch dazu stimmungsaufhellend. Der Löwenzahn ist eine der besten Leber- und Galle-Heilpflanzen. In der Volksmedizin wird sie als Blutreinigungsmittel, zur Behandlung von Gicht, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Ekzemen oder anderen Hauterkrankungen angewendet. Neben dem Tee werden auch Frischpflanzensäfte verwendet. Beliebt sind auch Salate aus den frischen Blättern. Zubereitet mit gebratenem Speck oder zerhackten Nüssen sind sie eine wahre Vitaminbombe. Die im Herbst geernteten, inulinreichen Wurzeln könne geröstet als Kaffee-Ersatz dienen.

Bärlauch

Bärlauch:„Bärenstark durch wilden Lauch“ – verantwortlich für die Wirkung sind die enthaltenen Senfölglykoside, die ähnlich einem Antibiotikum das Wachstum von Bakterien in Darm und Blut hemmen. Der Bärlauch stärkt nicht nur das Immunsystem, es saniert auch den Darm, schützt vor Arteriosklerose und Bluthochdruck. In Suppen, Salaten oder auf dem Brot wirken die Blätter stärkend und leiten sogar Schwermetalle aus.

Brennessel

Brennnessel: Die Brennnessel ist eine bei uns allseits bekannte Pflanze, die überall zu finden ist. Ihre entwässernde Wirkung wird in vielen Stoffwechsel- und Entschlackungstees genützt. Auch der Brennnessel-Frischpflanzensaft ist sehr beliebt. Daneben hat die Pflanze eine sehr gute aufbauende Wirkung bei Erschöpfungszuständen und aufgrund ihres Eisengehaltes bei Blutarmut. In der Volksmedizin wird das Brennesselkraut innerlich als „blutbildendes“ Mittel als wassertreibendes Mittel bei Arthritis, Gelenks- und Muskelrheumatismus oder bei Gallenwegserkrankungen empfohlen. Äußerlich wird das Kraut und die Wurzel bei Haarausfall und zur Pflege der Kopfhaut und Haare gegen Schuppen und fettiges Haar angewendet.

Gänseblümchen

Gänseblümchen: Das „Tausendschön“ schmückt nicht nur Wildkräutersalate oder stimmungsaufhellende Tees, es schenkt auch natürliche Schönheit von innen heraus. Wer zu Hautauschlägen, Akne, Neurodermitis, Lippenherpes neigt oder sich in seiner Haut nicht wohl fühlt, sollte Zubereitungen aus dieser Pflanze einnehmen. Sie hält schädliche Einflüsse ab, stärkt unsichere Menschen, vermittelt Ausgeglichenheit und Zuversicht, spendet Vitalität und regeneriert seelisch und körperlich erschöpfte Menschen. Innerlich wie äußerlich angewendet wird der Hautstoffwechsel angeregt und die Hautregeneration gefördert.

Huflattich

Huflattich: An Uferböschungen und feuchten Wegrändern kann man den Huflattich finden, einer der besten Lungenheilpflanzen. Daneben stärkt die Pflanze die Lebenskraft.

Schlüsselblume

Schlüsselblume: Der lateinische Name Primula veris steht symbolisch für das Wiedererwachen der Natur. Die Pflanze ist eine bewährte Heilpflanze bei Husten. Die enthaltenen Saponine verflüssigen den Bronchialschleim, wirken ähnlich einem Antibiotikum und lindern hartnäckigen Husten. Auch werden die Blüten schon seit jeher bei Kopfschmerzen empfohlen.

Zum Abschluss noch zwei Rezepte, damit sie gesund und voll Energie in den Frühling gehen.

Frühjahrskur für die Haut

Im Laufe des Winters ermüdet die Haut. Frühlingskräuter können die durch Umweltgifte, Licht- oder Sauerstoffmangel verursachten Hautleiden regenerieren und verjüngen die Haut von innen heraus.

Gänseblümchen, Brennnesselblätter, Gundermann, Erdrauch und Stiefmütterchen zu gleichen Teilen mischen. 3 bis 4 Esslöffel der Mischung mit ½ Liter kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen und 6 Wochen lang täglich tagsüber trinken.

Frühlingssuppe aus neunerlei Kräutern

Wer diese Suppe isst, bleibt einer Tradition zufolge das ganze Jahr gesund. Die Suppe vertreibt den Winterstaub aus dem Körper und liefert neue Lebensenergie.

Bärlauch, Brennnessel, Brunnenkresse, Gänseblümchen, Gundelrebe, Löwenzahn, Schafgarbe und Vogelmiere säubern und bis auf die Gänseblümchen zerkleinern. Etwa 10 Minuten in Gemüsebrühe köcheln lassen und anschließend durchpassieren. Mit Salz, Pfeffer, Knoblauch, Muskatnuss und Sauerrahm abschmecken, weitere 10 Minuten ziehen lassen. Mit den Gänseblümchen und gerösteten Brotwürfeln garnieren.